Die hohe Kunst des Schreibens bedeutet, auch die ganz kleinen Details zu kennen – zum Beispiel, wie man Apostrophe richtig setzt. Denn in einem Moment kann man, muss aber nicht, im nächsten muss man, und dann plötzlich darf man auf gar keinen Fall. Neben einigen wirklich einfachen Regeln gibt es auch solche, die man zuerst verinnerlichen muss. Wir helfen Ihnen, zu verstehen, wann Apostrophe wirklich gesetzt werden und wann man sie getrost weglassen darf oder gar muss.
Hier müssen Apostrophe gesetzt werden
Auch wenn gerade wir hier in der Schweiz regelrechte Apostrophverweigerer sind, gibt es dennoch einige Fälle, in denen Apostrophe gesetzt werden müssen:
Apostrophe nach s-Lauten
Beginnen wir mit etwas Einfachem: dem Apostroph nach einem s-Laut am Wortende. Diesen benötigen wir, wenn der Satz im Genitiv, also im Wesfall, steht. Dieser bezeichnet einen Besitzanspruch:
«Wessen Haus ist das?»
«Das ist Thomas’ Haus.»
Der Name Thomas endet mit einem s, weshalb wir den Genitiv mit einem Apostroph kennzeichnen müssen. Falsch ist allerdings: «Das ist Martina’s Haus.». Im Gegensatz zur englischen Sprache, in der Besitzansprüche stets mit einem Apostroph markiert werden, ist das im Deutschen nicht korrekt.
Diese Regel gilt für alle Namen, die auf einen Zischlaut enden, auch wenn der Laut durch ein x, tz, z oder ce erzeugt wird, zum Beispiel «Felix’ Auto» oder «Moritz’ neues Velo».
In zwei Fällen darf der sogenannte Deppenapostroph jedoch trotzdem gesetzt werden – diese Fälle schauen wir uns weiter unten im Kapitel zu den freiwilligen Apostrophen genauer an.
Auslassungen am Wortanfang mit Apostroph kennzeichnen
Diese Schreibweise verwenden wohl die meisten von uns kaum. Grundsätzlich gilt jedoch: Wenn ein Wortanfang weggelassen wird, muss dies mit einem Apostroph gekennzeichnet werden. Beispiel:
’n alter Mann hat ’n Hund gesehen, der von ’m Mädchen hinter sich hergezogen wird, das um ’s Eck wohnt.
Steht der Apostroph am Satzanfang, wird der nachfolgende Buchstabe kleingeschrieben.
Apostrophe beim Auslassen von Buchstabengruppen
Werden mehrere Buchstaben in einem Wort weggelassen, muss ein Apostroph gesetzt werden. So feiert man beispielsweise seinen
G’tag mit einer S’wälder Kirschtorte.
Zugegebenermassen schreiben wir so wohl nur in Ausnahmefällen. Dennoch ist es gut zu wissen und gehört zum Einmaleins der Apostrophsetzung.
Als Lesehilfe zwischen Präposition und Artikel
Diese Regel muss gelernt werden, da sie keiner allgemeingültigen Logik folgt. Sie besagt, dass ein Apostroph gesetzt wird, wenn eine Präposition und ein Artikel ein zusammengesetztes Wort bilden. Das allerdings nur in acht festgelegten Fällen:
mit’m
nach’m
in’n
durch’n
für’n
aus’m
auf’m
auf’n
Bei allen anderen Verbindungen, wie beispielsweise «im» oder «ums», ist der Apostroph nicht nur unnötig, sondern sogar falsch.
Freiwillige Apostrophe: Wann man Apostrophe setzen kann, aber nicht muss
Mit den verpflichtenden Apostrophierungen sind wir bereits durch. So viele Regeln gibt es also gar nicht dazu. Nun kommen noch die Fälle, in denen wir Apostrophe einfügen können, aber nicht müssen:
Apostroph in Eigennamen und zur Verdeutlichung der Grundform
Hier gibt es durchaus widersprüchliche Meinungen und Diskussionen unter Sprachwissenschaftlern und Grammatikexperten. Grundsätzlich gilt, wie oben bereits erwähnt, die Regel, dass Besitzansprüche nur dann mit einem Apostroph versehen werden, wenn der Name des Besitzers mit einem Zischlaut endet.
Bei Eigennamen – sprich Firmennamen oder Marken – ist es jedoch erlaubt, vor dem Genitiv-s einen Apostroph zu setzen, so kann ein Buchladen zum Beispiel «Corina’s Bücherecke» und ein Lokal «Peter’s Weinbar» heissen.
Ausserdem kann der Apostroph vor dem s auch gesetzt werden, um die Grundform eines Namens zu verdeutlichen, wenn es eine Schreibweise mit und ohne s-Endung gibt, wie beispielsweise bei Nicola/Nicolas oder Andrea/Andreas.
Während bei «Nicolas» und «Andreas» im Genitiv der Apostroph nach dem s zwingend ist, kann er bei Nicola und Andrea vor dem s gesetzt werden, um zu verdeutlichen, dass es sich um den Namen ohne s-Endung handelt. Zum Beispiel: «Nicola’s unglaubliche Reisen» oder «Andrea’s neues Auto».
Bei der Verbindung des Pronomens «es» mit dem vorangehenden Wort
Ein weiterer Fall, in dem ein Apostroph gesetzt werden darf, aber nicht zwingend erforderlich ist, ist der Zusammenzug des Pronomens «es» mit dem vorangehenden Wort: gehts, machts, wenns usw. Da die Bedeutung in der Regel auch ohne Apostroph problemlos verständlich bleibt, ist das Setzen eines solchen Zeichens keine Pflicht. Dennoch kann es in bestimmten Fällen hilfreich sein, um den Lesefluss zu erleichtern und Missverständnisse zu vermeiden.
Insbesondere in gesprochener Sprache oder informellen Texten wie Dialogen wird der Apostroph häufig verwendet, um eine gesprochene Verkürzung besser darzustellen. So kann dieser Satz für die Leser einfacher zu erfassen sein als die gekürzte Variante:
Geht’s darum, jemandem beim Lesen zu helfen, ist’s manchmal doch besser, den Apostroph zu setzen.
Wann dürfen keine Apostrophe gesetzt werden?
Zusammenfassend werfen wir zum Schluss noch einmal einen Blick auf die Fälle, in denen das Setzen von Apostrophen nicht erlaubt ist:
Mehrzahl bei Akronymen
Möchte man die Mehrzahl von Akronymen, also von gängigen, ausgesprochenen Abkürzungen, benennen, darf vor dem s kein Apostroph stehen. Wenn Sie also nicht identifizierbare Flugobjekte beobachten, sehen Sie nicht Ufo’s, sondern Ufos.
Verbindung aus Präposition und Artikel
Die Verbindungen aus Präposition und Artikel sind in der Regel für uns leicht verständlich und bedürfen keiner Lesehilfe – daher dürfen hier, ausser bei wenigen Ausnahmen, keine Apostrophe gesetzt werden. Die acht spezifischen Ausnahmen für diesen Fall haben wir im Absatz «Als Lesehilfe zwischen Präpositionen und Artikel» bereits für Sie aufgelistet. Ansonsten schreiben wir also zum Beispiel «fürs».
Unterschied englischer und deutscher Genitiv
Noch einmal zur Verdeutlichung: Im deutschen Genitiv wird im Gegensatz zum Englischen nur dann ein Apostroph verwendet, wenn das Nomen auf einen Zischlaut wie s, z oder x endet. Beispiel:
Alex’ Grammatikkenntnisse sind gut, während Brunos noch verbesserungswürdig sind.
Wie Sie sehen, sind eher die Fälle, in denen kein Apostroph gesetzt werden darf, schwierig. Diese sind nicht immer eindeutig und machen das Schreiben herausfordernder. Es ist daher empfehlenswert, die wenigen Regeln zu lernen, in denen Apostrophe ein Muss sind, und in allen anderen Fällen einfach darauf zu verzichten. So hält man die wichtigsten Grundsätze ein und vermeidet Stolperfallen. Oder Sie überlassen das Apostrophsetzen ganz einfach einem Profi und lassen Ihre Texte schreiben oder korrigieren.
Tastenkombination für den korrekten Apostroph
Noch ein kleiner Tipp zum Schluss: Den korrekten Apostroph erhält man mit der Tastenkombination Alt + 0146. Die Zahlen müssen dabei auf dem Ziffernblock der Tastatur eingegeben werden.



